Smart Meter Light: Status Quo – Interview mit René Claussen

Der Smart-Meter-Rollout hat mittlerweile deutlich Fahrt aufgenommen. Mehr als 23 Prozent der Pflichteinbaufälle waren Ende 2025 mit einem intelligenten Messsystem (iMSys) ausgestattet. Bei allen 56,5 Millionen Messlokationen lag die Quote jedoch nur bei 5,5 Prozent. Deutschland hinkt im europäischen Vergleich weit hinterher und ist von der diskutierten Mindestquote von 50 Prozent bis zum Jahr 2030 weit entfernt. In ihrem Whitepaper „Zukunftspfad Smart Metering“ betrachtet die Forschungsstelle für Energiewirtschaft (FfE) verschiedene Ansätze, die den Ausbau der digitalen Messinfrastruktur in Deutschland beschleunigen könnten. Dazu zählt auch das sogenannte Smart Meter Light, dessen Einführung der Koalitionsausschuss im Juli angekündigt hat. René Claussen, Geschäftsbereichsleiter Messsysteme, IoT und Digitale Lösungen bei ZENNER, beantwortet im Interview grundlegende Fragen zum Smart Meter Light.


Das Smart Meter Light ist eine vereinfachte Form eines intelligenten Stromzählers. Es ist vor allem für Verbraucherinnen und Verbraucher mit einem Strombedarf von weniger als 6.000 kWh pro Jahr interessant. Das betrifft diejenigen, die nicht unter die Einbaupflicht eines intelligenten Messsystems fallen. Dadurch kann das SML den Smart-Meter-Rollout sinnvoll ergänzen und beschleunigen. Der wesentliche Mehrwert des Smart Meter Light liegt darin, energiewirtschaftliche Prozesse zu optimieren, indem es Messwerte digital erfasst und sie in 15-Minuten-Intervallen bereitstellt. Die exakten Messdaten ersetzen starre Verbrauchsannahmen und ermöglichen eine verlässlichere energiewirtschaftliche Bilanzierung. Zugleich unterstützt das SML die Digitalisierung auf Endkundenseite. Es ermöglicht beispielsweise dynamische Tarife, Energy Sharing und hochautomatisierte energiewirtschaftliche Kernprozesse, etwa den 24-Stunden-Lieferantenwechsel.

Whitepaper „Zukunftspfad Smart Meter“

Forschungsstelle für Energiewirtschaft (FfE)


Die Installation eines SML unterscheidet sich nicht von der Installation einer herkömmlichen modernen Messeinrichtung. Unternehmen, Systeme, Logistik, aber auch die Monteure arbeiten mit denselben Geräten, die sie außerhalb des iMSys-Rollouts bereits verwenden. Das erleichtert die Umsetzung erheblich und vermeidet zusätzliche Umstellungen im täglichen Betrieb. Messstellenbetreiber können frei entscheiden, wann und wo sie das SML einsetzen. Es fügt sich nahtlos in vorhandene Infrastrukturen ein und ist zugleich ausbaufähig. Bei Bedarf ist es über die standardisierten Schnittstellen der modernen Messeinrichtung, das Lokal Meter Network, zu
einem vollwertigen iMSys erweiterbar. Bestehende Infrastrukturen lassen sich also weiter nutzen und Abläufe vereinfachen, wodurch die Effizienz langfristig gesteigert werden kann. Für reine Messanwendungen verzichtet das SML bewusst auf eine Gateway-Administrations- und PKI-Architektur, die dafür überdimensioniert wäre. Dadurch können Messstellenbetreiber Prozesse verschlanken und IT-Kosten erheblich senken.


Das SML baut auf der vom VDE FNN definierten modernen Messeinrichtung auf. Seine Hardware ist technisch spezifiziert. Hersteller können also zeitnah Geräte bereitstellen und Messstellenbetreiber zügig mit dem Rollout beginnen. Auch die Lieferketten sind berücksichtigt: Die NIS-2-Richtlinie verpflichtet Unternehmen, Cybersicherheitsrisiken bei direkten Lieferanten und Dienstleistern zu berücksichtigen und angemessene Schutzmaßnahmen umzusetzen. Eine zusätzliche nationale BSI-Zertifizierung nur für das SML würde diesen europäischen Sicherheitsrahmen doppelt abbilden.


Wir brauchen eine klare technische Einordnung des SML und Anforderungen, die sich auf seine Funktion als reines Messgerät konzentrieren. Für die Umsetzung
sollten Messstellenbetreiber auf vorhandene Technik setzen können: auf europäische Standardtechnik, also auf bereits installierte moderne Messeinrichtungen
und bestehende Nachrüsttechnik. Ebenso wichtig ist langfristige Planungssicherheit. Sie gibt Messstellenbetreibern eine verlässliche Grundlage für Investitionen.

Geschäftsbereichsleiter Messsysteme, IoT und Digitale Lösungen bei ZENNER

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